29. Brief – 7. August 1942

Brief29_Starless-in-Stalingrad-Dokumentarisches-Labor

– 29. Brief –

Rußland, den 7.8.42

Mein liebes Frauchen!

Vorgestern sind wir nun endlich nach langer Irrfahrt bei unserer Einheit eingetrudelt. Meine erste Frage war natürlich nach Post. Es waren 4 Päckchen und 1 Brief angekommen, die Zigaretten (2x), Schuhwichse und 1 Stück Schinkenspeck enthielten. 2 Päckchen lagen die beiliegenden Zettel (davon eins ohne Nr.), einem der Brief Nr. 8 und dem vierten lag kein Zettel bei. Der Brief, der extra kam, hatte die Nr. 10. Es war vollkommen aufgegangen. Du mußt doch mal sehen, daß Du Klebemarken bekommst, dann kann das nicht passieren. Den Päckchen lege bitte keine Briefe bei, da die länger laufen als gewöhnliche Post. Lege ihnen nur einen Zettel mit Nr. und Inhaltsangabe und Datum bei. Nach meinen Aufzeichnungen habe ich nun die Briefe bis Nr. 10 alle erhalten. Von den Päckchen habe ich bis auf die Nr. 7, 9 und 10 bis Nr. 11 alles erhalten.

Du kannst nun mal sehen, wie lange die Post gelaufen ist. Du hast sie Ende Juni abgeschickt und ich habe sie am 5.8.42 erhalten. Allerdings lag das daran, daß wir von der Einheit getrennt waren und die Post bereits angekommen war.

Wegen meiner Abordnung zu einem Zahlmeisterkursus kann ich Dir nichts Neues mitteilen. Ich teilte Dir schon mit, daß ich da nicht mehr so scharf drauf bin wegen der 14monatigen Dienung nach der Demobilmachung. Der Rechnungsführerposten sagt mir sehr zu, auch wenn ich den ganzen Tag vollauf damit beschäftigt bin.

Einem Brief lag Briefpapier und Kuverts bei. Briefpapier brauchst Du mir nie zu schicken. Nur schicke mal zuweilen einige Kuverts.

Ich gebe diesem Brief die Nr. 29, hoffentlich stimmt das. Oder hatte die Karte, die ich Dir vor einigen Tagen schrieb, schon die Nr. 29? Wenn ja, dann mache auf diesem Brief die Nr. 29a. Meine nächste Post hat jedenfalls die Nr. 30.

Kurt Schramm hat nun auch wieder geschrieben. Er ist beim Troß, ich habe ihn schon mehrmals gesprochen. Er läßt Dir Grüße bestellen.

Hier beim Troß, der ca. 25 km hinter der Front liegt, merkt man nur wenig von dem heftigen Kampf, der vorne ist. Im Wehrmachtsbericht wird diese Front immer erwähnt.

Unsere Batterie hat einige Leichtverwundete, da sie unterwegs von Panzern angegriffen wurde.

Die schönste Post, die ich bei der Einheit erwartete, ist nun leider nicht eingetroffen. Da unsere Einheit auf dem Marsch war, ist sie immer nachgesandt worden. Bei der nächsten Sendung ist die erwartete Post bestimmt dabei.

Jetzt ist man schon über einen Monat Papa und weiß nicht über was. So etwas gibt es auch nur im Krieg.

Und nun sei Du, Heidi und unser Zweiter oder Zweite recht herzlich gegrüßt und geküßt von

Eurem Vati

Grüße Deine Eltern von mir ebenfalls. Anbei auch wieder 2 Luftfeldpostmarken. Gut aufheben!


 

Anm: Auf diesen Brief schreibt er noch eilig einen weiteren kurzen Brief am selben Tag: 30. Brief

Max-Breuer_3vr_Dokumentarisches-Labor-Starless-in-Stalingrad Kopie_gross
Foto meines Großvaters von der 6-wöchigen Fahrt Richtung Stalingrad (3. v.l.)

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