17. Brief (1) – 19. Juli 1942

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–17. Brief (1) –

Rußland, den 19.7.42

 Mein liebes Frauchen!

Nun ist es so weit, daß wir weiterfahren können. Ich glaube, ich hatte Dir in meinem letzten Brief mitgeteilt, daß wir inzwischen eine neue Achse bekommen haben. Morgen früh werden wir eine lange Reise antreten.

Wie ich heute von einem Kameraden zufällig hörte, soll man jetzt monatlich ein Päckchen über 1 kg, das auch 1100 g Höchstgewicht haben kann, an einen Soldaten monatlich schicken dürfen. Dies soll im Rundfunk bekannt gegeben worden sein. Um eine Kontrolle zu haben, vermute ich, daß uns von unserer Einheit für diesen Zweck Marken ausgegeben werden, die man dann an die Angehörigen schickt. Da wir erst in 1 Woche bei unserer Einheit sind, werde ich dann Näheres erfahren.

Am dringendsten brauche ich nun einen Kocher. Ich hatte Dich in meinem letzten Brief schon gebeten, mir meinen Aluminiumkocher, der auf dem Rucksack auf dem Boden geschnallt ist, in einzelnen Päckchen über je 100 gr zu schicken. Nun wäre das ja eine feine Sache, wenn Du mir den Kocher in einem Päckchen schicken könntest. Der Kocher ist bestimmt nicht schwerer als 1 kg. Nur mußt du Dich vorher bei Dr. Schmidt erkundigen, ob man den Kocher mit Benzin speisen kann. Das ist ein Spirituskocher, aber Spiritus habe ich hier nicht. Vielleicht kann Dr. Schmidt mir einen anderen Brenner daran machen. Erkundige Dich mal bei der Post, wie das mit den 1 kg-Päckchen ist. Sonst machst Du das Päckchen fertig, klebst eine -,20 Freimarke drauf und wirfst das Päckchen bei der Post in den Kasten. Wenn das Päckchen noch kein Kilo wiegt, kannst du ja noch etwas „Leckeres“ beilegen.

Dann bitte ich Dich noch, mir etwas Schmirgel (obere Schublade in der Putzkommode), ein paar Sicherheitsnadeln und eine Zahnbürste zu schicken, das kannst Du ja in 100 gr.-Päckchen schicken.

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Über die Verpflegung kann man nicht klagen, sie ist gut und vor allen Dingen genügend Fett. Man hat nur manchmal Appetit auf etwas anderes, Kekse oder Schokolade zum Beispiel.

Dann kann man hier noch Eier und Milch gegen Brot oder Zigaretten organisieren. Eier gibt es hier in Hülle und Fülle, allerdings nur gegen Tausch. Ein Ei kostet hier 2,- und ein Glas Salz 5,-. Für Uhren zahlt man hier die wahnsinnigsten Preise.

Du siehst also, mit Geld kann man hier nichts werden. Ich habe hier in Rußland noch nichts ausgegeben. Mein Bestand ist allmählich auf RM 200,- angewachsen, die ich beim nächsten Feldpostamt zur Überweisung auf mein Konto einzahlen werde.

Denke daran, daß Du Dir jede Rechnung über Babyausstattung und Arztkosten aufhebst. Ich werde Dir in einem Monat mitteilen, was Du damit machen sollst.

Den Antrag für die Geburtsbeihilfe von der Krankenkasse hat Dr. Schmidt doch sicher gestellt und wirst Du das Geld schon haben. Mache mir darüber Mitteilung.

Heute habe ich ein Päckchen Nr. 4713 an Dich gesandt. Bestätige mir immer nur den Empfang. Die Sachen kannst Du im Haushalt verwenden.

Nun weiß ich noch immer nicht, ob wir einen Jungen oder ein Mädel bekommen haben. Vielleicht sind es auch Zwillinge. Aber in einer Woche, wenn ich wieder bei der Einheit bin, hoffe ich, eine Menge Post vorzufinden.

Also noch Geduld mit dem Glückwunsch. Von der Fahrt werde ich Dir laufend Kartengrüße schicken.

Für heute sendet Dir, meiner kleinen Heidi und dem Dritten im Bunde die allerherzlichsten Grüße und Küsse

Euer Vati

Viele Grüße an Deine Eltern.

Ein Gedanke zu “17. Brief (1) – 19. Juli 1942

  1. Einfach eine wahnsinnig tolle Idee. Ich verfolge die Briefe ganz gespannt und bin doch schon so neugierig ob es ein Mädchen oder ein Junge ist 🙂

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