16. Brief (1) – 15. Juli 1942

Brief16-1_Starless-in-Stalingrad-Dokumentarisches-Labor

– 16. Brief (1) –

Im Osten, den 15.7.42

Mein fernes Lieb!

Heute heult der Sturm nur so. Man kann sich nur im Lkw (Lastkraftwagen) aufhalten, an ein Arbeiten ist überhaupt nicht zu denken. Die letzten Tage hatten wir das schönste Sommerwetter.

Als ich heute morgen in K. war, habe ich zufällig einen Kollegen aus Hamburg getroffen. Leider konnte das Wiedersehen nicht begossen werden, da ich mit unserem Leutnant dienstlich unterwegs war.

Wenn Du mir die Uhren schickst, schlage sie in Seidenpapier ein und nehme eine kräftige Zigarettenschachtel, damit das Glas nicht kaputt geht.

Letzte Nacht waren die Russen wieder hier. Sie haben durch Flugzettel die Bevölkerung aufgefordert, die Stadt zu verlassen, weil sie die kommende Nacht K. dem Erdboden gleich machen wollen. Wollen mal sehen, was daraus wird. Bange machen gilt nicht!

Eine neue Achse haben wir noch immer nicht. Wir werden bestimmt noch einige Zeit hier bleiben. Vermutlich kommen wir noch weiter nach dem Süden runter, vielleicht treffe ich dann mal Walter. Jedenfalls bin ich lieber im Süden als im Norden wegen der Kälte.

Wenn ich morgen wieder etwas zum Schreiben weiß, werde ich wieder schreiben. Für heute Dir, Heidi und dem unbekannten Dritten die allerherzlichsten Grüße und 1000 Küsse,

Euer Vati

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