15. Brief (3) – 14. Juli 1942

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–15. Brief (3) –

Im Osten, den 14.7.42

Mein liebes Frauchen!

Gestern wollte ich Deinen Brief per Luftfeldpost an Dich abschicken, aber leider war der Brief zu schwer. Er darf nur 10 g schwer sein. Wenn Du mir mal per Luftfeldpost schreibst, mußt Du darauf achten. Den Briefumschlag mußt du so beschriften, wie ich es getan habe.

Wenn Du Post von Bobby erhältst, so teile mir mal seine Feldpost-Nr. mit.

Gestern war ich in K. Ich bin dort mal in ein Kommissionsgeschäft gegangen. Dort wurde mir für meine Armbanduhr 100,- geboten. Ich habe sie aber nicht verkauft. Da ist mir der Gedanke gekommen, daß ich meine alte Armbanduhr und die Tulauhr hier gut verkaufen könnte. Für die Armbanduhr bekomme ich bestimmt 60,- – 70,- und für die Taschenuhr RM 100,-. Ich bitte Dich deshalb, mir die beiden Uhren in zwei getrennten Päckchen zu schicken. Die sind bestimmt nicht schwerer als 100 gr und wenn, ist auch nicht schlimm.

Gestern sind wir nach K. abgeschleppt worden. Unsere Bemühungen, hier eine neue Achse zu bekommen, waren vergeblich. Wir müssen jetzt eine holen lassen in einer Stadt, die ungefähr 250 km südlich von uns liegt. Ob wir da eine bekommen, ist auch fraglich. Du siehst, es kann eventuell noch lange dauern, bis wir mal wieder fahrbereit sind. Ich empfinde das durchaus nicht tragisch.

Tragisch ist nur, daß wir jetzt lange Zeit von unserer Einheit getrennt sind und deshalb auch keine Post bekommen. Und ich möchte doch so gerne wissen, ob Du mir einen Jungen oder ein Mädel geschenkt hast. Das einzig Schöne ist, daß ich jetzt eine Menge Zeit habe, Dir viele Briefe zu schreiben und andere Briefschulden zu begleichen.

Hier ist rege russische Fliegertätigkeit. Jede Nacht ist die Bande da, dann müssen wir immer aus unserem Zelt heraus und in die Deckungslöcher springen. Da besudelt man sich so richtig mit Dreck. Aber besser das, als von einem Splitter getroffen werden.

Wenn Du die Geburtsanzeigen gedruckt bekommen hast, so schicke mir bitte auch eine. Hebe auch einige für uns auf.

Du mußt Dr. Schmidt mal fragen, ob er nicht ein paar leichte Luftpostbögen und –kuverts für Dich hat. Wenn nicht, so mußt Du klein schreiben und andere Bögen verwenden. Schön wäre es ja, wenn Du Schreibmaschine schreiben könntest. Da geht etwas mehr auf einen Bogen.

Jetzt wissen wir hier garnicht mehr, was in der Welt vor sich geht. Radio kaputt und keine Zeitung zu haben.

Und nun meine lieben Drei schlaft wohl, hoffentlich lassen Euch die Briten in Ruhe.

1000 Grüße und Küsse

Euer Vati ,

der so gerne für immer wieder bei Euch wäre.


ANM.:
Aufgrund unserer Recherchen glauben wir, dass es sich bei der erwähnten Stadt „K.“, wo er sich nun aufhält, um Kursk handelt.

Ein Gedanke zu “15. Brief (3) – 14. Juli 1942

  1. Hallo,

    an dieser Stelle mal ein recht herzliches Dankeschön für das veröffentlichen dieser Briefe, ich erwarte täglich mit Spannung einen Neuen.
    Habe von diesem Projekt aus der Zeitung erfahren, ich bleibe dran.
    Grüße aus Österreich

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