15. Brief (1) – 10. Juli 1942

Brief15-1_Starless-in-Stalingrad-Dokumentarisches-Labor

– 15. Brief (1) –

Im Osten, den 10.7.42

Mein liebes Frauchen!

Nunmehr will ich Dir mitteilen, welche Briefe ich bei dem ersten Schwung alle erhalten habe. Es handelt sich um Nr. 1,2, 4, 5 und 6. Demnach steht Nr. 3 noch aus. Aber der wird auch noch eintrudeln. Es dauert manchmal eine ganze Woche, bis Post kommt. Heute morgen habe ich Dir eine Karte geschrieben. Numeriere sie bitte mit Nr. 14.

Ich will mich nun bemühen, Dir alles zu beantworten, was Du in Deinen verschiedenen Briefen wissen willst.

Hinselmann ist nicht in unserer Batterie, wohl in unserer Abteilung. Er liegt ein paar 100 m weiter im gleichen Wald.

Kxxx Schramm hat ein Nierenleiden und liegt in unserem letzten Rastort im Lazarett. Wenn er länger als 4 Wochen da noch bleibt, wird er wieder zur Ersatzabteilung in die Heimat versetzt. Ich habe mich dieserhalb bei seinem Rechnungsführer erkundigt. Sonst muß er zu seiner Feldtruppe zurückkehren. Vielleicht hat er Schwein.

Nunmehr habe ich den Rechnungsführerposten ganz übernommen. Ich bin heute garnicht mehr so dafür, daß ich zu einem Lehrgang für die Zahlmeisterlaufbahn kommandiert werde. Man hat mir erzählt, daß Zahlmeister auf Kriegsdauer sich nach Kriegsende für weitere 14 Monate verpflichten müßten. Darauf bin ich natürlich nicht scharf.

Mit meinem Rechnungsführerposten bin ich mehr als zufrieden. Ich habe den Eindruck, daß ich von den anderen Batterieangehörigen sehr beneidet werde, weil ich als jüngster Kanonier Rechnungsführer bei einer Feldtruppe schon bin. Wenn wir mal zum Einsatz kommen, brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen. Der Rechnungsführer ist immer beim Troß und nicht an der Front.

Die Adressen für die Geburtsanzeigen hatte ich mitgenommen und sie dann Dr. Schmidt geschickt. Er wird das schon in Ordnung gebracht haben. Mausi hat ja die Geburtsanzeigen geschickt.

In Köln müssen die Briten ja anständig gehaust haben. Zipfels sind wirklich zu bedauern.

Kurz vor unserer Abreise aus unserem letzten Rastort hatte ich Dir ein Halmaspiel gesandt. Jeder mußte zu den Marketenderwaren ein Teil nehmen, was schlecht abzusetzen ist.

Ludsches Brief aus Hamburg und einen Kartengruß aus Paris habe ich auch erhalten. Ich werde ihm in den nächsten Tagen schreiben. Deine drei Briefe habe ich in Delmenhorst noch erhalten.

Den Stoff für den Umstandsmantel läßt du Dir sofort zu einem Sommermantel umarbeiten. Du brauchst nicht zu warten, bis ich mal auf Urlaub komme. Geld spielt keine Rolle.

In den nächsten Tagen werde ich Dir noch Geld schicken, da man hier doch nichts mit Geld anfangen kann.

Nun muß ich Schluß machen, die Arbeit ruft.

Für heute Euch beiden und dem unbekannten Dritten viele Grüße und 1000 Küsse

Euer Vati

Ein Gedanke zu “15. Brief (1) – 10. Juli 1942

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s