7. Brief – 19. Juni 1942

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– 7. Brief –

Rußland, den 19.6.42.

Mein fernes Lieb!

Der Briefbogen sieht zwar nicht berühmt aus, aber man muß hier alles verwerten, da man nichts kaufen kann. Hier merkt man nichts von Sonnabend und Sonntag, da der Dienst immer weiter läuft.

Ich bin jetzt ganz beim Rechnungsführer beschäftigt, um den Posten zu übernehmen. Der Posten ist zwar sehr verloddert. Ich werde, wenn ich den Posten allein habe, dafür sorgen, daß alles auf dem Laufenden ist. Dann macht das Arbeiten auch Spaß.

Es war günstig für mich, daß ich in Celle beim Rechnungsführer tätig war, sonst wäre ich für diesen Posten nicht in Frage gekommen. Der Posten eines Rechnungsführers bei der Feldtruppe ist sehr interessant. Er hat für die Verpflegung, Bekleidung, Löhnung u.v.m. der Truppe zusorgen. Beim Einsatz ist er beim Troß. Du brauchst Dir also nunmehr nicht mehr die geringsten Sorgen zu machen. Zu gegebener Zeit werde ich zu einem Lehrgang für die Zahlmeister- oder Kriegsverwaltungslaufbahn abgeordnet werden.

Mit unserem Spieß verstehe ich mich sehr gut. Er ist auch Hamburger und war bei der Deutschen Bank in Harburg tätig. Wenn ich noch an den Spieß in Celle denke, wird es mir übel. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wenn man nicht so weit von der Heimat und Euch wäre, ließe sich das Soldatenleben gut ertragen.

Wie mir heute ein Soldat, der in Köln auf Urlaub war, erzählte, müssen die Briten schwer in Köln gehaust haben. Die Innenstadt muß toll aussehen. Die Spichernstraße, wo Z. ihre Druckerei haben, soll besonders schwer bedacht worden sein. Hoffentlich wird Hamburg nur verschont, damit Euch nichts passiert.

Nun habe ich noch 2 Kleinigkeiten, die Du mir schicken sollst. In meinem Nachtschrank ist doch der alte grüne Schal mit den weißen Punkten. Verpacke ihn und schicke ihn mir, auch wenn er über 100 gr. schwer ist. Dann schicke mir noch 2 oder 3 kleine runde Batterien für meine Taschenlampe.

Jetzt rückt der Tag immer näher heran, an dem Du mich mit unserem 2. Sprößling erfreuen wirst. Dieser Brief wird Dich wahrscheinlich in der Klinik erreichen.

Solltest Du noch nicht in der Klinik sein, so rufe doch Dr. Peters mal an, daß er Dir sofort alle ausstehenden Rechnungen schickt. Überweise sie und mache einen entsprechenden Vermerk auf den Rechnungen. Dann bitte Dr. Schmidt, daß er Dir mit der Schreibmaschine den Antrag auf Erstattung der Arzt- und Arzneikosten schreibt. Vordrucke und Muster sind in der Mappe Krankenkasse. Eine Durchschrift von dem Antrag hefte in die Mappe Krankenkasse. Schicke den Antrag mit den Belegen aber sofort ab, damit er vor dem Antrag für die Geburtsbeihilfe, den Du einige Zeit nach Deiner Niederkunft einreichen mußt, erledigt wird. Aber darüber schreibe ich Dir noch.

Für heute alles Gute sowie herzliche Grüße und Küsse und eine glückliche Niederkunft,

Euer Vati

Post habe ich noch nicht von Dir hier erhalten.

 


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