3. Brief – 8. Juni 1942

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Rußland, den 8.06.1942.

Mein liebes Frauchen!

Meinen gestrigen Brief wirst Du inzwischen erhalten haben. Ich vergaß, Dir mitzuteilen, daß Du mir einen Insektenstift schicken solltest. Du mußt nur immer darauf achten, daß ein Päckchen nicht über 100 g schwer sein darf. Wenn es geht, lege auch etwas weiße Stopfwolle bei.

Hier ist die reinste Mückenplage. Dauernd wird man hier von Mücken gestochen. Teilweise haben hier die Soldaten Netze über dem Kopf zum Schutz gegen die Mücken. Wir hatten alle geglaubt, daß mit Celle die verdammte Exerziererei beendet sei. Aber darin haben wir uns sehr getäuscht. Hier geht derselbe Drill weiter.

Mein Gesuch habe ich heute abgegeben. Der Wachtmeister hat mir allerdings wenig Hoffnung gemacht, da es an allen Ecken an Soldaten fehlt, besonders für den Osten. Wenn man einmal im Osten ist, kommt man so leicht nicht wieder weg. Unser Regiment hat schon wieder Leute in der Heimat angefordert, aber in Celle und Bremen sind keine mehr, da mit mir ja alles weggekommen ist, was k.v. war.

Meine Fernsprecherausbildung war scheinbar für die Katz. Jetzt bin ich nämlich zum Batterietrupp gekommen. Dieser hat die Aufgabe, die Feuerstellung zu vermessen und sich dann zurückzuziehen. Die Tätigkeit soll wesentlich einfacher und interessanter als Fernsprecher sein. Das ist jetzt bereits meine 4. Spezialausbildung, die mir zuteil wird.

Sobald Du irgendwie Zeit hast, schreibe mir nach Möglichkeit jeden Tag und wenn es nur eine Karte ist. Du glaubst nicht, wie vereinsamt man sich hier in der trostlosen Gegend fühlt. Alle paar Tage kannst du mir auch das H.F.-Blatt *) schicken. Illustrierte Zeitungen brauche ich nicht, da es hier genügend gibt. Dann schicke mir bisweilen auch mal Zigaretten, aber nicht mehr als 100 gr. Meine Raucherkarte wirst du inzwischen erhalten haben sowie auch die Briefmarken.

In meinem Portemonnaie habe ich noch eine Urlaubermarkte für 1 Ei gefunden. Ich füge sie Dir bei, vielleicht kannst du sie noch verwerten.

Ich habe Dr. Schmidt geschrieben, daß er mich so schnell wie möglich von Deiner Niederkunft verständigen soll, eventuell telegrafisch. Ich glaube ja kaum, daß ich Urlaub bekommen werde. Aber versuchen kann man es ja.

Und nun wünsche ich meinen lieben Frauen alles Gute. Viele herzliche Grüße und Küsse

Euer Vati

 


*) H.F.-Blatt = Hamburger Fremdenblatt

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